Mitte 2025 gibt es in Deutschland nur noch 16.803 Vor-Ort-Apotheken. Die Zahl sinkt weiter. Gleichzeitig gehören E-Rezepte, Apps und Plattformen für viele Patienten:innen längst zum Alltag. Versandapotheken investieren viel Geld in Werbung und digitale Bequemlichkeit, Plattformen machen den Apothekenwechsel mit ein paar Klicks möglich.
Die Frage ist:
Was heißt das für die einzelne Apotheke vor Ort?
Der Markt sortiert und er unterscheidet sich
In vielen Gesprächen mit Apotheken geht es um Umsatzdruck, Lieferengpässe, Personalmangel etc.. Das ist alles echt.
Strategisch passiert daneben aber noch etwas anderes: Der Markt wird schärfer. Er unterscheidet immer deutlicher zwischen „beliebig“ und „erkennbar“.
Die entscheidende Frage ist: Wird Ihre Apotheke klar erkannt – oder nur gefunden?
Wenn eine Apotheke austauschbar wirkt, wird sie im Zweifel auch austauschbar behandelt – vom Markt und von Patienten. Woran erkennt man auf den ersten Blick, wofür Ihre Apotheke steht?
Apotheken mit einem klaren Bild nach außen haben es leichter, ihren Platz zu halten. 2026 geht es weniger darum, noch eine Aktion mehr zu planen.
Es geht darum, eine klare Antwort zu haben auf die Frage:
Wofür wollen wir stehen – fachlich, menschlich, im Viertel?
Drei Wege, sich zu zeigen
Im Grunde lassen sich drei Richtungen beobachten. Wichtig ist nicht, was davon „richtig“ ist, sondern dass sich eine Apotheke bewusst entscheidet.
- Die spezialisierte Apotheke
Ein Schwerpunkt kann zum Beispiel Naturheilkunde, Onkologie, Kinderpharmazie, Mikronährstoffe oder Frauengesundheit sein. Entscheidend ist: Man muss ihn erkennen.
Das gelingt, wenn
- das Team dazu geschult ist,
- der Schwerpunkt auf Website, in den Offizinen und online klar sichtbar ist,
- Sortiment, Aktionen und Beratung dazu passen.
„Wir bieten auch Naturheilkunde an“ reicht nicht. Wer in die Apotheke kommt – oder auf die Webseite, sollte es sofort sehen: Das ist ein Schwerpunkt, kein Nebenthema.
- Die Service- und Convenience-Apotheke
E-Rezept, Vorbestellung, Botendienst, längere Öffnungszeiten: Vieles gehört inzwischen dazu. Die Frage ist: Wie gut ist es organisiert – und wie gut wird es erklärt?
Statt Schlagworte aufzuzählen, hilft Konkretes:
- Wie läuft eine E-Rezept-Bestellung bei uns genau ab?
- Wie schnell liefern wir normalerweise?
- Was tun wir, wenn etwas nicht lieferbar ist?
Je klarer Abläufe beschrieben sind, desto leichter fällt es Patienten, sich darauf zu verlassen.
- Die lokale Marke
Viele Apotheken tun viel für ihr Umfeld: Sponsoring, Aktionen, Unterstützung von Vereinen oder Initiativen. Oft wissen das aber nur wenige.
Zur lokalen Marke wird eine Apotheke, wenn
- erkennbar ist, für was sie am Stärksten steht,
- sich eine Haltung durchzieht (z. B. familiär, besonders beratungsstark, stark im Thema Frauengesundheit),
- Sprache und Gestaltung zusammenpassen – online und vor Ort.
Wer zeigt, was die Apotheke im Alltag bewegt, bleibt eher im Kopf.
Kooperationen und Digitalisierung ersetzen kein Profil
Kooperationen, Kampagnenpakete und digitale Tools erleichtern vieles im Alltag.
Die Frage ist nur: Was davon bleibt als eigenes Profil sichtbar?
Woran erkennt man, dass es genau Ihre Apotheke ist – und nicht nur ein gutes System im Hintergrund?
Digitale Angebote gehören heute selbstverständlich dazu.
Doch wenn E-Rezept, Vorbestellung und Botendienst überall verfügbar sind, wodurch entsteht dann noch ein Unterschied? Wo wird aus Funktion Identität?
Die eigentliche Aufgabe: Klar werden
Die wichtigere Frage lautet nicht:
„Was könnten wir noch alles machen?“
Sondern:
- Wofür wollen wir als Apotheke stehen?
- Welche Menschen möchten wir gezielt ansprechen?
- Welche Leistungen rücken wir nach vorne – und was lassen wir bewusst weg?
- Was sieht man auf den ersten Blick, wenn man uns besucht oder uns googelt?
Viele Apotheken funktionieren im Alltag gut. Die Lücke entsteht, wenn diese Stärke nicht übersetzt wird: in einer klaren Linie nach außen.
Was Apotheken jetzt brauchen
Weniger:
- generische Kampagnen
- Werbemittel ohne Bezug zum eigenen Profil
- lose Einzelaktionen
Mehr:
- ehrlichen Blick auf die aktuelle Position
- klare Entscheidung für ein Profil
- Gestaltung und Sprache, die dieses Profil sichtbar machen
- Konsequenz in allen Kanälen
Genau an diesem Punkt werden strategische Gespräche interessant.
Denn diese Fragen lassen sich im Alltag oft schwer beantworten.
Ein externer Blick hilft, Stärken und Chancen zu erkennen, Prioritäten zu setzen – und bewusst zu entscheiden, wofür man stehen will.
Der Markt wird kleiner, der Wettbewerb professioneller, digitale Angebote normal.
Entscheidend wird nicht, wer am meisten macht – sondern wer klarer ist.
Wenn jemand morgen an Ihre Apotheke denkt: Was fällt ihm als Erstes ein?

